Sandskulpturen – Kreationen auf bestimmte Zeit

Als begeisterter Sandskulpturen-Bauer plante ich meinen diesjährigen Strandurlaub bereits ein paar Monate vor der Hochsaison. Während ich zunächst überlegte, meinem liebsten Hobby an der Nordsee nachzueifern, entschloss ich mich für Bella Italia – wohl wissend, dass meine kunstvollen Skulpturen das Wasser nur aus der Entfernung mögen. Nicht nur einmal hat mir der deutsche Sommer einen Strich durch meine Rechnung gemacht und meine Kunstwerke – kurz nach der Vollendung – zu einem kleinen, traurigen Sandberg zerfliessen lassen. Entsprechend stiegen meine Chancen auf zahlreiche neugierige Zuschauer dank meiner Reiseplanung in den sonnenverwöhnten Süden.

sandskulptur-meer

Urlaubsvorbereitungen für eine unvergessliche Reise

In inspirierter Vorfreude packte ich meinen Koffer samt Lektüre über professionelle Sandburgen. Als Reiseziel hatte ich mich zunächst für den Strand von Cervia entschieden, der für seine Sandskulpturen-Weltmeisterschaft bekannt ist und begabte Künstler aus aller Welt ans Meer lockt. Ich erinnere mich immer wieder gerne an alte Bekanntschaften, die ich dort vor Jahren schloss. Das Besondere dieses Highlights für Sandskulpturen-Bauer sind die gigantischen, mehrere Meter hohen Kunstwerke, die so manchem Urlauber die Tränen der Rührung ins Gesicht zaubern. Die Veranstalter planen dabei immer wieder grossartige Themen, unter denen das Motto der Weltmeisterschaften steht. Allerdings entschied in kurzerhand, mich vor Ort nur inspirieren zu lassen und meine eigenen Kreationen an einem stillen Ort – einer traumhaften Bucht – ganz für mich alleine zu bauen und zu bewundern.

Endlich kann es losgehen – Italien ich komme!

Während des Fluges blätterte ich mein Buch durch, machte mir schon ein paar Notizen und konnte es kaum erwarten, meine kreative Reise endlich vor Ort zu beginnen. Mein Hotel mit Meerblick – klein aber fein – empfand ich als gelungen Einstieg meiner Auszeit vom Alltag. Die guten Bewertungen haben nicht zu viel versprochen – dank flug-und-hotel.ch war auch der Preis kein Schocker. Ich liess mir ein kleines Essen auf meinem Balkon servieren, genoss den charaktervollen, aromatischen Rotwein und stimmte mich auf meinen ersten Tag am Strand ein. Ich wollte bereits vor Sonnenaufgang im Meer baden, frühstücken und dann direkt an den Strand – zu all den schönen Skulpturen – gehen. Schon auf dem Weg zum Ort des Geschehens stockte mir der Atem: überall ragten kleine Sandschlösser, barocke Gebilde und ganze Parkanlagen aus kleinsten Sandkörnern in den noch kühlen Sommermorgen. Ich konnte mir keinen schöneren Ort vorstellen, wo ich jetzt lieber sein würde. Mit meiner Kamera bewaffnet, konservierte ich jedes Detail dieser liebevoll und präzise ausgeführten Handarbeiten. Für mich war klar, dass auch ich diesen Sommerurlaub dafür nutzen wollte, märchenhafte Schlösser aus Sand zu kreieren. Natürlich hatte ich mein Werkzeug in einem kleinen Stoffbeutel dabei und konnte es kaum erwarten, meine geheime Bucht mit herrlichem Sandstrand zu erreichen. Also machte ich mich – inspiriert von all den brillanten Kunstwerken – auf den Weg und flanierte zu meinem Lieblingsplatz, den ich vor vielen Jahren entdeckt hatte. Als ich ankam, ging langsam die Sonne auf und das Meer glitzerte und funkelte türkis. Ich genoss kurz den Anblick und legte los. Fernab von der Hektik der Badegäste formte ich zunächst das Fundament meines Schlosses, dann zahlreiche Türme, einen Brunnen als Blickfang der Parkanlage und kümmerte mich dann um jedes kleinste Detail. Es wurde bereits dunkel, als ich meine Arbeit vollendete.

Kunstvolle Kreationen am Badestrand – konserviert für die Ewigkeit

Aus Angst, meine Sandskulptur könnte über Nacht zerstört werden, entschied ich mich, zu bleiben und die Nacht unter freiem Himmel zu verbringen. Von der Sonne wach gekitzelt, galt mein erster Blick des Tages meinem Märchenschloss aus Millionen kleinster Sandpartikeln. Von der Schönheit überwältigt, schoss ich zahlreiche Bilder, um meine kleine, private Vorstellung für Freunde festzuhalten. Da ich es als Künstler nicht ertragen könnte, meine Vollendung zerstört zu sehen, entschloss ich mich, mein Kunstwerk für immer allein zu lassen und zurück in mein Hotel zu gehen. Die nächsten Tage vergingen wie im Fluge und ich bewunderte täglich meine Kreationen aus Sand – allerdings nur auf den Fotos. Zurück im Flugzeug gern Heimat blätterte ich durch ein Reisemagazin und konnte meinen Augen kaum trauen: auf mehreren Seiten blickte ich auf meine Sandskulpturen, die von einem Künstler in den höchsten Tönen gelobt wurden. Diese Reise wird für immer in meinem Herzen bleiben.
Bildquelle: Rainer Sturm / pixelio.de

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